WORKSHOP: ENTFERNUNG VON SCHADSTOFFEN AUS TRINKWASSER

Am 24.11.2016 veranstaltete das IBI – Euregio Kompetenzzentrum in Kooperation mit der Fa. Hydroisotop und der Wasser Tirol einen Workshop zum Thema Schadstoffe im Trinkwasser und deren Entfernung.

Fachexperten aus Italien (Südtirol), Österreich und Deutschland diskutierten im Rahmen eines Workshops über Möglichkeiten der Entfernung von Schadstoffen aus dem Trinkwasser.

Um das Thema von mehreren Seiten betrachten zu können, wurde der Workshop auf eine breite Basis gestellt. Am Workshop beteiligten sich Vertreter der öffentlichen Verwaltung, von universitären Einrichtungen, von Trinkwasseruntersuchungs- und Inspektionsstellen und von Wasserversorgern.

In Ihren Eröffnungsstatements strichen Dr. Dietmar Thomaseth und DI Ruppert Ebenbichler von der Wasser Tirol Wasserdienstleistungs-GmbH die geringe Wertschätzung für Trinkwasser hervor: „Im Alpenraum haben wir einerseits das Glück, andererseits das Pech, eine sehr gute Trinkwasserqualität zu besitzen. Glück, dass wir in unserer Trinkwasseraufbereitung nicht viel investieren brauchen, Pech, dass gutes Trinkwasser als selbstverständlich hingenommen wird – Probleme mit dem Trinkwasser werden nicht akzeptiert“.

Herr Dr. Florian Eichinger (Hydroisotop GmbH), welcher die Veranstaltung moderierte, beschwichtigte jedoch die Euphorie, dass im Alpenraum keine Probleme mit dem Trinkwasser auftreten. „Vor allem die Anwesenheit unterschiedlicher geogen oder anthropogen eingetragener Elemente und Verbindungen machen eine Aufbereitung von Grundwasser und Oberflächenwasser zur Gewinnung von Trinkwasser auch im Alpenraum notwendig.“

Dr. Astrid Sapelza (Amt für Gewässernutzung der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol) gab zu bedenken, dass der oft diskutierte und von einigen verleugnete Klimawandel auch bereits vereinzelt durch erhöhte Schadstoffwerte im Trinkwasser feststellbar ist. „Jedoch noch viel gravierender ist der Eintrag von Medikamentenrückständen durch den Menschen, welcher sich nicht nur auf die Trinkwasserqualität sondern auch negativ auf die Bewässerung der Landwirtschaft auswirkt. Dadurch können Schadstoffe nicht nur über das Trinkwasser sondern auch durch landwirtschaftliche Produkte für den Menschen gefährlich werden“, so Frau Sapelza. Die von Dr. Astrid Sapelza dargestellten Aussichten, machten den Teilnehmern bewusst, dass die Entfernung von Schadstoffen und somit die Trinkwasseraufbereitung in Zukunft auch im Alpenraum zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.

Herr Prof. Dr. Marco Rupprich (MCI Innsbruck), Herr DI Andreas Kunze (hydroFilt Forschungsgesellschaft GmbH) und Dr. Florian Eichinger (Hydroisotop GmbH) präsentierten unterschiedliche Möglichkeiten der Wasseraufbereitung. Die Anwendung in der Praxis zeigt eindeutig, dass eine Trinkwasseraufbereitung niemals als standardisierte Anwendung funktionieren wird, sondern, dass die Wahl des Aufbereitungsverfahrens und die Auslegung mit hoher Kompetenz verbunden sein muss.

Herr B.Sc. Hans Michael Höfle (Wasserdienstleistungs-GmbH) zeigte mögliche mikrobiologische Kontaminationen in Leistungssystemen und zugehörige mögliche Desinfektionsmaßnahmen auf. „Auch auf dem Gebiet der mikrobiologischen Kontaminationen ist es wie auch bei den Schadstoffen: Verständnis bei Verunreinigungen gibt es in unseren Regionen nicht; dass auch die mikrobiologische Kontamination ein hohes Gefahrenpotential für den Menschen birgt, wird oft nicht beachtet.“

Die Veranstaltung zeigt eindeutig, dass zwischen der allgemein vorherrschenden Meinung in der Bevölkerung, gutes Trinkwasser sei selbstverständlich und den tatsächlichen Gegebenheiten, vorherrschenden Probleme durch geogene und anthropogene Schadstoffe und mikrobiologische Verunreinigung und mögliche zukünftige Gefährungspotentiale aus der Landwirtschaft und dem Klimawandel, eine große Kluft besteht. Weiters wurde aufgezeigt, dass die Möglichkeit der Wasseraufbereitung gegeben ist und dass im Falle von Grenzwertüberschreitungen eine angepasste Lösung in den meisten Fällen möglich ist.

Fazit: Das Verständnis, dass sauberes Trinkwasser im alpinen Raum derzeit und vor allem in Zukunft keine Selbstverständlichkeit mehr ist, ist derzeit nur zum Teil vorhanden. Im Rahmen einer Bewusstseinsbildung sollte dieses Verständnis geschärft werden.