RÜCKBLICK: DIE ERSTEN INTERALPINEN­ BAUTAGE: 10.11. & 11.11.2016

Was hat das Bauen in den Alpen mit der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino zu tun? Bisher nicht allzu viel. Das soll sich ändern. Bei den 1. Interalpinen Bautagen im Congresspark Igls, am 10. und 11. November 2016, gelang ein entscheidender Impuls.

Experten aus der Technik, dem Management und der Politik aus den Alpenländern diskutierten die Zukunft des Bauens im Alpenraum. Nicht zu überhören war die Forderung an die Politik, zukunftsorientierte Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Experten der Bauwirtschaft wären aber dazu aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten.

In seinem Eröffnungsstatement hob Dr. Dietmar Thomaseth (Wasser Tirol – Wasserdienstleistungs-GmbH) den Euregio-Gedanken und seine Bedeutung für ein länderübergreifendes Bauen in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino hervor. „Das beste Beispiel für das Funktionieren in der Praxis, ist der Bau des Brenner Basistunnels. Solche Großprojekte werden oft von besonders engagierten Einzelpersönlichkeiten getragen, die dann auf die Rahmenbedingungen der Politik angewiesen sind“, so Dietmar Thomaseth.

Mehrere engagierte Einzelpersonen haben sich vor einem knappen Jahr im IBI – Euregio Kompetenzzentrum zusammengefunden. Gemeinsam haben die aus unterschiedlichen Bereichen stammenden Techniker begonnen, interdisziplinäre Lösungen für Probleme am Bau und beim Betrieb von Infrastrukturprojekten zu finden. Große Bauprojekte stehen immer wieder im Spannungsfeld von sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten. „Um heute große Projekte umsetzen zu können, ist die Bündelung von unterschiedlichen Fachkompetenzen, Management und politischem Verständnis von essentieller Bedeutung“, ist Thomaseth überzeugt. „Die 1.  Interalpinen Bautage sind ein wichtiger Schritt, um die handelnden Akteure aus diesen Bereichen zusammen zu bringen und das Verständnis füreinander zu verbessern.“

DI Mag. Florian Riedl, Abgeordneter zum Tiroler Landtag, rief die Experten der Bauwirtschaft dazu auf, sich mit der Politik in Gremien zusammenzufinden, um politische Willenskundgebungen gemeinsam zu formulieren. Nur so ließen sich die notwendigen Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Forschung schaffen. Mag. Matthias Fink, Vertreter der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, betonte ebenso die Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Damit werde grenzüberschreitendes Unternehmertum möglich, wovon letztlich die Unternehmen und die Bevölkerung in den Regionen profitieren würden.

Ein hochkarätig besetztes Podium mit Univ. Prof. Dr. Konrad Bergmeister (BBT SE), DI Johann Herdina (TIWAG – Tiroler Wasserkraft AG), DI Dr. Peter Hufschmied (ExTechNa GmbH), DI Alois Schedl (ASFINAG), DI Dr. Cédric Thalmann (ETH Zürich) und DI Josef Tschofen (Jäger Bau GmbH) diskutierte am Ende des ersten Kongresstages die sozioökonomischen Auswirkungen von Großprojekten. Einig war sich das Podium darüber, dass es nicht alleinige Sache der Unternehmen sei, die Bevölkerung zu informieren und für Verständnis zu werben. Der partizipative Prozess müsse auch von der Gesellschaft wieder gelernt werden. Dazu, so DI Johann Herdina, brauche es Respekt und das offene Gespräch. Das Gemeinwohl müsse wieder vor den Eigennutzen gestellt werden. Realität sei aber noch viel zu oft das NIMBY (Not In My Back Yard) Prinzip. In Südtirol fand beispielsweise in den letzten Jahren kein Großprojekt Zustimmung in der Bevölkerung. DI Alois Schedl unterstrich ebenfalls die Bedeutung einer sorgfältigen Planung und der Einbindung der lokalen Politik, wenn es darum geht, die Zustimmung und das Verständnis der Bevölkerung für Großprojekte zu erhalten: „Die Betroffenen sind oftmals nicht die Nutznießer großer Projekte“.

Zur Diskussion gestellt wurde auch das Bestbieterprinzip bei öffentlichen Ausschreibungen. Die Änderung des Bundesvergabegesetztes 2016 sei ein Schritt in die richtige Richtung, doch auch hier gäbe es noch viel zu tun. Der Regelflut müsse aber dringend Einhalt geboten werden, denn es sei kein Einzelfall, dass sich auf manche Ausschreibungen hin niemand mehr bewerbe, da diese zu komplex sind und mit hohen Pönalen drohen. Hier muss ein gegenseitiges Vertrauen wieder wachsen, zu dem beide Seiten ihren Beitrag zu leisten haben. Das wiederum erfordert von allen Beteiligten die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung, abseits von Nachtragsforderung, Pönalen und Klagen. Innerhalb der Euregio müssen die Unterscheide in den Ausschreibungskriterien abgebaut werden, um letztlich auch lokalen Unternehmen einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen.

Die 1. Interalpinen Bautage waren gemessen an der Teilnehmerzahl aus Sicht der Veranstalter sowie Vortragenden ein großer Erfolg. Das IBI – Euregio Kompetenzzentrum wird darauf aufbauend zu einer engeren Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Bauwirtschaft, Managern, Technikern, Entscheidungsträgern und Politik beitragen. „Die Interalpinen Bautage haben gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch zwischen den einzelnen Akteueren in der Euregio ist. In intensiven Gesprächen wurden Chancen aber auch Defizite ausgemacht, die unser gemeinsames Handeln erfordern“, so Werner Kusstatscher (Beton Eisack GmbH). Dr. Florian Eichinger (Hydroisotop GmbH) resümiert: „Das Ziel der Interalpinen Bautage ist, internationale Protagonisten in den Bereichen Bau und Infrastruktur zusammenzubringen und eine Plattform für Entwicklungen und Meinungen zu bilden. Die Resonanz von Seiten des Publikums und der Vortragenden sowie die Offenheit und Engagiertheit der Podiumsdiskussionsteilnehmer zeigt das große Interesse an den aktuellen Fragestellungen und das Potential, dieses Format weiterzuführen.“

Die 2. Interalpinen Bautage finden am 16. und 17. November 2017 in Brixen, Südtirol statt. Sie werden sich dem Thema „Wasser – das bestimmende Element in Bau und Natur“ widmen.

Alle Fotos der Veranstaltung finden Sie HIER.