Brücken bauen zwischen Ökologie und Ökonomie

Die 4. Interalpine Energie- & Umwelttage vom 21. und 22. Oktober 2022 in Mals ermöglichten neben dem grenzüberschreitenden Austausch von Wissen vor allem einen Start der Zusammenarbeit von Natur- und Klimaschutz im Kampf gegen den Klimawandel.

v.l.: Ronald Patscheider, Rudi Rienzner, Bettina Geisseler, Diemtar Thomaseth, Johann Herdina, Walter Gostner

Der alpine Raum ist heute bereits ein Vorzeigemodell der erneuerbaren Energie. Dies betrifft insbesondere die Wasserkraft, die einen beträchtlichen Teil zur Stabilisierung des Energienetzes beiträgt. Gerade im Anbetracht des kommenden europäischen Ausstiegs aus Kohle- und Atomkraft gewinnt dieser Sektor noch an strategischer Wichtigkeit.

Gleichzeitig ist das Bewusstsein und die Akzeptanz in Bevölkerung und Politik nicht in allen Ländern gegeben. In Südtirol ist die Wasserkraft in der Gesellschaft aus historischen Gründen noch immer negativ geprägt. Die Bewusstseinsbildung ist aus diesem Grund gerade in diesem Gebiet von besonderer Wichtigkeit.

Laut Peter Bauhofer, Abteilungsleiter der TIWAG, merkte ein deutliches Wissensdefizit dieses hochkomplexen Themas bei Entscheidungsträger:innen an. Hier seien die Betreiber:innen, Forscher:innen und Praktiker:innen aufgerufen, selbst mehr auf Kommunikation zur Entscheidungsebene zu setzen.

Mangelhafter Austausch als Achilles Sehne

 „Es ist fundamental wichtig, die Erfahrungen anderer Länder und Regionen kennen zu lernen. Nur durch diesen grenzüberschreitenden Ansatz können Fehler vermieden und konstruktive Veränderungen umgesetzt werden.“ meint die Anwältin und Kraftwerk-Beraterin Bettina Geisseler.

Lange Zeit war der ökologische Aspekt in der Wasserkraft im besten Falle eine Randnotiz bei Entscheidungsträger:innen und Kraftwerksbetreiber:innen. In den letzten Jahren hat das Bewusstsein und die Innovationen in diesem Bereich deutlich zugenommen. In der Veranstaltung präsentierte Walter Gostner von Patscheider Ingenieure einige symbiotische Projekte zwischen Wasserkraft und Gewässerschutz. Dadurch wurde gezeigt, dass sich Gewässerschutz und Wasserkraft keinesfalls ausschließen. Mit einer richtigen Planung können sich die beiden Bereiche ergänzen. Allerdings bleibt noch immer Luft nach oben, insbesondere im Bereich des jeweiligen Wissens über die Anliegen der anderen.

Dietmar Thomaseth, Präsident des IBI-Euregio Kompetenzzentrums, sieht darin eines der Grundprobleme der Nachhaltigkeit. „Jeder scheint derzeit für die Nachhaltigkeit zu arbeiten, wodurch niemand genau weiß, was der Begriff überhaupt noch bedeutet. Wir brauchen einen ehrlichen Austausch und eine echte Zusammenarbeit, um mit konkreten Projekten wieder Vertrauen und die nötigen Veränderungen zu schaffen.“

Der Veranstaltung gelang es, die Vertreter von Umweltschutz und den nachhaltig denkenden Betreiber:innen in der Wirtschaft zusammen zu bringen. Dieser Austausch ist der erste und unersetzliche Schritt für eine zukünftige Zusammenarbeit. Denn die Zeit drängt und der behandelte Sektor wird in der Zeit des Klimawandels eine bedeutende Rolle spielen. „Die Entscheidungen dieses Jahrzehntes werden die Welt prägen, in der wir am Ende des Jahrhunderts leben werden!“ betonte der Bürgermeister von Mals Josef Thurner zurecht.

Gemeinsam arbeiten oder alleine fallen

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde den verschiedenen Blickwinkel Raum gegeben. Die teilweise hitzig geführte Debatte zeigte aber, dass die verschiedenen Diskutanten in einem Punkt übereinstimmten. Nämlich über die Wichtigkeit der Wasserkraft für eine nachhaltige Zukunft.

Nun sei es an der Zeit, um gemeinsam in ein Gespräch zu kommen. Roger Lüönd der Schweizer BKW AG berichtete über ihren ersten, erfolgreichen Versuch, die geplanten Projekte mit Umweltorganisationen und anderen Stakeholdern für ein Jahr lang zu diskutieren und die abgeänderten Pläne am Ende abzusegnen. Damit wurden die kritischen Stimmen bereits von Anfang an in die Planung miteinbezogen und ermöglichten damit anschließend eine reibungslose Durchführung.

Diese schwierigen Gespräche sind zum Teil zwar von konträren Meinungen getrieben, doch ist ein ehrlicher und respektvoller Austausch der verschiedenen Positionen unumgänglich. Denn wenn wir die kommenden Herausforderungen nicht gemeinsam angehen, fallen wir alleine auf die Nase ist Johann Herdina, Vorstandsmitglied der TIWAG, überzeugt.

Wasserkraft im Kampf gegen den Klimawandel

Walter Gostner, Verwaltungsrat des IBI-Euregio Kompetenzzentrum, bringt diesen Punkt in seinem abschließenden Fazit folgendermaßen auf den Punkt. „Die Tagung hat uns gezeigt, dass zwischen den Akteuren in den Bereichen Wasserkraft und Gewässerschutz bei gewissen Themen immer noch große Meinungsunterschiede bestehen. Dennoch sind alle der Meinung, dass die Wasserkraft im Kampf gegen den Klimawandel notwendig ist. Die große Herausforderung wird sein, den Spagat zwischen der Nutzung einer global gesehen wichtigen Säule der erneuerbaren Energiequelle und den lokalen Auswirkungen auf die Qualität der Fließgewässer auszuloten. Unabdingbar ist es, Erkenntnisse aus der Forschung rascher in die Praxis einfließen zu lassen. Darin besteht viel Luft nach oben.“

Das IBI-Euregio Kompetenzzentrum hat es sich ohnehin zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu schließen und bietet mit den von ihm organisierten Konferenzen und dem übrigen Dienstleistungsportfolio den idealen Ansprechpartner für die Akademische Welt, für Behörden und für alle Praktiker im Bauwesen. Das kommende Veranstaltungsprogramm finden Sie auf unserer Webseite unter „Veranstaltungen“.

Auf Anfrage können wir Ihnen die Vorträge der Referenten zur Verfügung stellen!

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